Dienstag, 25. Februar 2014

Freitag, 21. Februar 2014

Sonntagskontrakt für Bayern

66 Landtagsabgeordnete pro Ladenschluss und Sonntagsschutz
Der freie Sonntag und der Ladenschluss – zwei Institutionen unserer Zeitkultur – verlieren seit Jahren an Verbindlichkeit. Auch im traditionsbewussten Bayern hat die Zahl der Sonntagsarbeiter in den letzten zwei Jahrzehnten um eine halbe Millionen zugenommen.
Klare politische Zusagen sind aus Sicht der bayerischen Allianz für den freien Sonntag notwendig, um die gemeinsamen Ruheinseln in unserer beschleunigten Zeit zu erhalten. Die Allianz ruft die Mitglieder des Bayerischen Landtags deshalb auf, mit ihr den „Sonntagskontrakt“ abzuschließen.
Mit dem Kontrakt erklären die Landtagsabgeordneten, für die folgenden drei politischen Ziele einzutreten:
• die Beibehaltung des gesetzlichen Ladenschlusses bis maximal 20 Uhr,
• eine konsequente Eindämmung verkaufsoffener Sonn- und Feiertage,
• eine kritische, branchenübergreifende Überprüfung der Genehmigungspraxis der Sonn- und Feiertagsarbeit
66 bayerische Landtagsabgeordnete haben diesen Kontrakt bereits unterzeichnet, je 28 von CSU und SPD und je fünf von den Freien Wählern und Grünen. Sie geben ein fraktionsübergreifendes Votum und die persönliche Zusicherung, für den Sonntagschutz und den Ladenschluss im Freistaat aktiv zu werden.
Die Broschüre „Sonntagskontrakt für Bayern“ stellt die Unterzeichner des Sonntagskontrakts vor und gibt aktuelle Informationen zur Lage von Sonntagsschutz und Ladenschluss in Bayern.
Folgende Mitglieder des Bayerischen Landtags haben den Sonntagskontrakt unterzeichnet:
Klaus Adelt, SPD
Hubert Aiwanger, FW
Inge Aures, SPD
Dr. Otmar Bernhard, CSU
Susann Biedefeld, SPD
Reinhold Bocklet, CSU
Robert Brannekämper, CSU
Gudrun Brendel-Fischer, CSU
Michael Brückner, CSU
Florian von Brunn, SPD
Petra Dettenhöfer, CSU
Alex Dorow, CSU
Günther Felbinger, FW
Alexander Flierl, CSU
Dr. Linus Förster, SPD
Albert Füracker, CSU
Thomas Gehring, Grüne
Max Gibis, CSU
Dr. Thomas Goppel, CSU
Harald Güller, SPD
Volkmar Halbleib, SPD
Dr. Florian Herrmann, CSU
Alexandra Hiersemann, SPD
Erwin Huber, CSU
Dr. Martin Huber, CSU
Dr. Otto Hünnerkopf, CSU
Hermann Imhof, CSU
Christine Kamm, Grüne
Annette Karl, SPD
Anton Kreitmair, CSU
Andreas Lorenz, CSU
Andreas Lotte, SPD
Dr. Christian Magerl, Grüne
Ruth Müller, SPD
Thomas Mütze, Grüne
Martin Neumeyer, CSU
Kathi Petersen, SPD
Hans-Ulrich Pfaffmann, SPD
Dr. Christoph Rabenstein, SPD
Doris Rauscher, SPD
Markus Rinderspacher, SPD
Hans Ritt, CSU
Florian Ritter, SPD
Bernhard Roos, SPD
Harry Scheuenstuhl, SPD
Franz Schindler, SPD
Helga Schmitt-Bussinger, SPD
Tanja Schweiger, FW
Bernhard Seidenath, CSU
Reserl Sem, CSU
Bernd Sibler, CSU
Diana Stachowitz, SPD
Rosi Steinberger, Grüne
Florian Streibl, FW
Reinhold Strob, SPD
Dr. Simone Strohmayr, SPD
Peter Tomaschko, CSU
Joachim Unterländer, CSU
Steffen Vogel, CSU
Ernst Weidenbusch, CSU
Angelika Weikert, SPD
Johanna Werner-Muggendorfer, SPD
Herbert Woerlein, SPD
Isabell Zacharias, SPD
Josef Zellmeier, CSU
Benno Zierer, FW
hier downloaden......

Montag, 17. Februar 2014

Sonntagsallianz befragt Freystädter Bürgermeisterkandidaten


Nürnberg/Neumarkt/Freystadt


Vertreter der Allianz für den freien Sonntag Neumarkt befragten die Freystädter Bürgermeisterkandidaten zu ihrer Haltung zu den verkaufsoffenen Sonntagen und zum Ladenschluss.
Das Bündnis aus Kirchen, Kirchlichen Verbänden und Gewerkschaften setzt sich für die Beibehaltung des gesetzlichen Ladenschlusses bis maximal 20.00 Uhr, für eine konsequente Eindämmung verkaufsoffener Sonn- und Feiertage sowie für eine kritische, branchenübergreifende Überprüfung der Genehmigungspraxis der Sonn- und Feiertagsarbeit ein.

Alexander Dorr, Bürgermeisterkandidat der CSU, gab den Vertretern der Sonntagsallianz Hildegard Remling, Bernhard Schinner und Hans-Goerg Spille zu verstehen, dass er hinter den vier traditionsreichen verkaufsoffenen Marktsonntagen in Freystadt stehe. Allerdings könne er sich vorstellen als geeignete Maßnahme zur Innenstadtbelebung und gegen die Abwanderung von Geschäften in die Gewerbegebiete, die Sonntagsöffnungen exklusiv auf das Gebiet rund um den historischen Marktplatz zu beschränken.

Hans Gerngroß, Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler (FFW) hatte schon anlässlich seinem Kandidatur für den Bayerischen Landtag den Sonntagskontrakt der Sonntagsallianz unterzeichnet. In einem Telefoninterview mit Allianzsprecherin Hildegard Remling stand er zu seinem Wort, räumte allerdings ein, dass es schwierig sei, für eine Reduzierung der verkaufsoffenen Sonntage die nötige Mehrheit zu finden. Mehr als die vier verkaufsoffene Marktsonntage in Freystadt machten ihm allerdings die neuen Freystädter Einkaufsnächte Sorgen mit Ladenöffnungszeiten bis 22.00 Uhr, so Gerngroß. Hierbei versicherten ihm die Vertreter der Sonntagsallianz ihre Unterstützung.

Renate Großhauser, von der FGG (Freystadt gemeinsam gestalten), unterzeichnete im Gespräch mit Dekan Richard Distler den Sonntagskontrakt für die Kandidaten der Bayerischen Kommunalwahl 2014 und sicherte damit zu: "Ich werde mich für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags und die Förderung einer familienfreundlichen Sonntagskultur einsetzen. Konkret werde ich deshalb im Stadtrat für die Begrenzung und Reduzierung verkaufsoffener Sonntage eintreten."
Hildegard Remling

Montag, 20. Januar 2014

Zeit ohne Zukunft

Vom Verschwinden des Sonntags


Was ist mit dem Sonntag geschehen? Gestern habe ich ihn den ganzen Tag gesucht und nirgends gefunden. Einst – ich kann mich noch genau erinnern – war jeder Sonntag ein Fest, man wusch sich den Hals und die Ohren und zog ein weisses Hemd an. Mittags traf sich die ganze Familie zum Sonntagsessen, das damit endete, dass alle nur noch dösten und in der Wohnung wie gestrandete Wale herumlagen. Erst der Duft des schwarzen Kaffees weckte uns aus dieser Benommenheit. Behutsam standen wir auf und langsam, denn keine Bewegung durfte schnell und plötzlich vor sich gehen. Der Sonntag war der Tag der Langsamkeit, der Tag der Faulheit, ein Tag, den man so verbrachte, als wäre ihm nichts vorausgegangen und als würde ihm auch nichts mehr folgen. «Sonntag – ein Tag ohne Zukunft», meinte der Dichter Raša Livada. Ich weiss nicht, was er im Sinn hatte, als er diesen Vers niederschrieb, für mich ist das jedoch die schönste Beschreibung des Sonntags, wie er einmal war und nicht wie er jetzt ist und wie er gestern war, als ich aus dem Haus ging.

Früher waren am Sonntag die Geschäfte geschlossen. Man konnte zwar hier und dort Brot, Milch und Pasteten kaufen. Auch waren die Zeitungskioske bis zehn Uhr offen. Alles Übrige aber war zu und genoss die sonntägliche Ruhe.
Zum Wochenmarkt ging man samstags. Der Samstag war der richtige Tag, um Paprika, Wassermelonen und Kajmak zu kaufen. Am Sonntag ging man höchstens zum Markt, wenn man am Samstag nicht dazu gekommen war. Das Angebot am Sonntag war übrigens nur noch ein blasser Abklatsch des samstäglichen Überflusses.

Der Sonntag war der Tag für Ausflüge. Wir bestiegen den Avala-Berg, als eroberten wir den Mount Everest, und rannten dann die Hänge hinunter, bis wir müde wurden und Butterbrote, hart gekochte Eier, Käseecken und rote Äpfel auspackten.
Sonntags währte die Mittagsruhe in unserem Hof länger. Wir spielten nicht Fussball, warfen nicht mit dem Ball gegen die Wand. Wir schwiegen sogar beim Murmelspiel. Erst am späten Nachmittag, wenn die Dämmerung schon über den Himmel kroch, unterhielten wir uns lauter und ungezwungener, obwohl unsere Stimmen auch dann nicht so schallten wie an anderen Tagen.
Der Sonntag war ein langsamer Tag. Ein Tag der Erholung. Ein Tag, an dem um die Mittagszeit in der ganzen Stadt die Suppenlöffel einträchtig klimperten, an dem die Strassen verödet waren und die öffentlichen Verkehrsmittel leer fuhren.
«Sonntag – ein Tag ohne Zukunft». Ein Tag, an dem man die Vergangenheit vergass und nicht an die Zukunft dachte. Die Vergangenheit war der hektische Samstag, den man möglichst schnell aus der Erinnerung löschte, die Zukunft kam mit dem Montag, dem schrecklichen Tag, der den Beginn einer neuen einförmigen Woche einläutete.
Der Sonntag war etwas wie ein Paradiesgarten, ein Tag zwischen Wirklichkeit und Traum. Ein Tag, an dem man alles beginnen konnte, aber nichts zu Ende führen musste. Ein Schloss weder im Himmel noch auf der Erde.

Als ich gestern das Haus verliess, dachte ich, es sei Donnerstag oder Freitag oder sonst ein beliebiger Tag. Nur kein Sonntag. Denn alle Geschäfte waren geöffnet: der Obst- und Gemüseladen, der Supermarkt, sogar die Apotheke.
Nur die Bank war geschlossen. Aber etwas anderes erwartete ich von der Bank auch nicht, in der ganzen Welt arbeiten die Banken weniger als alle anderen. Wenn auch noch die Banken sonntags arbeiten würden, wäre das ein Zeichen, dass uns der Weltuntergang bevorstünde.
Dann machte ich mich auf die Suche nach dem Sonntag. Ich schaute in viele Wohnhäuser, lief am Fluss entlang, erkundigte mich bei Menschen, die auf den Bus warteten, fragte Buben und Mädchen mit Kopfhörern, aber niemand konnte mir eine Auskunft geben. Alle zuckten die Achseln, und ihre Blicke zeigten, dass sie meine Frage nicht verstanden, als gehörte das Wort Sonntag zu einer toten und vergessenen Sprache, die nur einige Linguisten und Archäologen noch verstehen.
Wie schön war doch früher der Sonntag! Man schlief länger, man frühstückte später, jeder durfte nach Herzenslust bummeln. Man ging zum Fussballspiel, dann machte man einen Spaziergang am Fluss entlang, und zum Ausklang des Tages bestellte man Palatschinken mit Schokolade und Walnüssen. Der Abend schlich schon über den Himmel, aber niemand achtete darauf, denn wir wussten: Der Sonntag war anders als alle anderen Tage und würde eigentlich nie zu Ende gehen.
Dann aber geschah etwas, und der Sonntag verschwand. Was wir auch taten, wie sehr wir uns auch bemühten, wir konnten ihn nicht mehr finden. Er hatte sich beleidigt irgendwohin zurückgezogen, irgendwo versteckt, wo man immer noch die einfache Regel beachtet: Sechs Tage sollst du arbeiten und am siebten ruhen, Bücher lesen, Gedichte schreiben, Ausflüge ins Grüne machen, anders sein, als du es sechs Tage lang warst. Sei an dem Tag anders, damit du an den übrigen Tagen immer der Gleiche sein kannst. Verlangsame deinen Rhythmus. Finde eine langsame Melodie und lausche ihr den ganzen Tag. Geniesse die Langsamkeit. Sag zu dir selbst: «Ich bin zwar langsam, aber wäre ich schneller, wüsste ich nicht, dass es mich gibt.»

Ja, es ist höchste Zeit, dass wir den Sonntag zurückholen. Tun wir es nicht bald, geht er uns für immer verloren. Und das Leben ohne Sonntag, ohne einen Ruhetag, ist kein Leben mehr, sondern ein tristes Karussell, das sich ständig dreht und nur einmal stehen bleibt – wenn es für alles zu spät ist.

David Albahari

Dienstag, 22. Oktober 2013

Dr. Otto Hünnerkopf, MdL, über den Sonntag




Dr. Otto Hünnerkopf
Dr. Otto Hünnerkopf, CSU-Abgeordneter des Bayerischen Landtags: „Für mich als Christ ist der Sonntag bzw. Feiertag ganz wichtig. Da soll ich ausruhen und auch Zeit für die Pflege meiner Beziehung zu Gott haben. Ich weiß zwar, dass ich als Politiker den Sonntag nicht so leben kann. Ich möchte jedoch unterstützen, dass der Sonntag für die Ruhe und für die Familie wieder stärker zur Verfügung steht und keinesfalls noch stärker dem Kommerz geopfert wird“.